Elektronische Kieferrelationsbestimmung: Grundlage für passgenauen Zahnersatz

Der Kauapparat ist ein komplexes Gefüge. So wie bei einer Maschine alle Zahnräder perfekt ineinander greifen müssen, damit sie funktioniert, müssen auch unsere Zähne präzise aufeinander passen.

Eine besondere Bedeutung hat dabei die Stellung des beweglichen Unterkiefers im Vergleich zum unbeweglichen Oberkiefer. Wir nennen das Kieferrelation. Stimmt sie nicht, kann das zu funktionalen Störungen führen – der kraniomandibulären Dysfunktion.

Um dies zu verhindern, ist es wichtig, vor der Versorgung von größeren Zahnlücken und Vollprothesen die Kieferrelation möglichst genau zu bestimmen. Nur dann können wir wirklich passgenauen und funktionalen Zahnersatz herstellen.

 

Warum ist eine korrekte Kieferstellung wichtig?

Wenn der Kiefer nicht richtig schließt und die Zahnreihen nicht optimal ineinander greifen, kann das zu unzähligen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.

Als Folge einer fehlerhaften Kieferstellung kommt es nicht nur zu Problemen beim Kauen und Schlucken. Es können auch Sprachprobleme wie Lispeln entstehen und die Gesichtsform kann sich aufgrund eines zu großen oder zu niedrigen Kieferabstands verändern.

Da die Lage des Kiefers nicht nur durch das Gelenk, sondern auch durch ein komplexes Muskelsystem gehalten wird, kann es zu dauerhaften Verspannungen kommen, die in weitere Bereiche ausstrahlen und verschiedene Nerven beeinträchtigen.

Dies führt z. B. zu diesen, teilweise unglaublichen Folgen:

• Gesichtsschmerzen

• Migräne

• Rückenschmerzen

• Bewegungseinschränkungen

• Sehkraftverlust

• Depression

• Schwindel

• Herzrhythmusstörungen

• Tinnitus

• Eingerollte, faltige Lippen

• Hängende Mundwinkel

• Mundtrockenheit

Selbst Fehlstellungen im Fuß können durch eine kraniomandibuläre Dysfunktion ausgelöst werden.

 

Wie lässt sich eine durch schlechten Zahnersatz ausgelöste Kieferfehlstellung verhindern?

Damit ein normaler Kieferschluss auch mit umfangreichem Zahnersatz gewährleistet wird, muss der Zahnersatz optimal in den Kiefer eingepasst werden.

Genau wie die Abdrücke dem Zahntechniker wichtige Informationen zur Zahnstellung und der Größe von Zähnen, Zahnlücken und Kiefern liefern, gibt die Kieferrelationsbestimmung ihm Informationen zur Ausrichtung der Kieferhälften zueinander. Dabei wird die Ausrichtung in Bezug auf alle drei Bewegungsachsen (oben-unten, vorne-hinten, links-rechts) betrachtet.

Diese Informationen bilden die Basis für die Simulation des Kieferschlusses in einem sogenannten adjustierbaren Artikulator.

Traditionell wurden Gipsabdrücke des Ober- und Unterkiefers mittelwertig in den Artikulator eingespannt, um den Kieferschluss zu simulieren.

Bisshemmnisse durch eine fehlerhafte Gestaltung der Zahnkrone, eine falsche Ausrichtung der Zähne oder eine falsche Größe der Versorgung fallen bei der Simulation auf und können korrigiert werden.

Heute können die Messdaten aus der Kieferrelationsbestimmung aber auch in einen virtuellen Artikulator eingegeben und computergestützt verarbeitet werden.

 

Welche Möglichkeiten zur Kieferrelationsbestimmung gibt es?

Die Geschichte der Zahntechnik brachte eine Vielfalt an Methoden und Techniken zur Kieferrelationsbestimmung hervor.

Dabei gibt es Methoden, die hauptsächlich die Gelenk- und Kieferposition betrachten, und Verfahren, die sich auf die Kaumuskulatur konzentrieren.

Für die Zahntechnik sind hauptsächlich die Knochen- und Gelenkpositionen interessant. Kann der Kiefer komplett schließen und greifen alle Zahnkronen beim Zubeißen perfekt ineinander? Um dies herauszufinden haben sich heute hauptsächlich zwei Vorgehensweisen etabliert, um die horizontale Kieferrelation zu bestimmen.

 

Die Handbissnahme und die Stützstiftregistratur.

Die Handbissnahme wird hauptsächlich angewandt, wenn die Kieferrelation zur Fertigung einer Vollprothese ermittelt werden soll.

Es ist eine recht unkomplizierte Methode, wobei sie dem Zahnarzt einige Erfahrung abverlangt, wenn sie zu verlässlichen Ergebnissen führen soll.

Bei der Handbissnahme lässt der Patient den Kiefer locker. Der Zahnarzt führt den Unterkiefer des Patienten mit seiner Hand in bestimmte Positionen, die für den korrekten Biss wichtig sind und erfasst (bzw. registriert) die jeweilige Kieferrelation mittels zwischen den Kiefern positionierten Bissschablonen.

Diese Schablonen bilden die Basis für die Ausrichtung der Kiefermodelle im Artikulator.

Die Stützstiftregistratur ist deutlich aufwendiger. Sie liefert jedoch auch die genaueren Ergebnisse und eignet sich auch bei Kiefergelenksbeschwerden und zur Herstellung von therapeutischen Bissschienen.

Bei der Stützstiftregistratur werden zunächst Abdrücke beider Kiefer genommen. In die Abdrücke werden Plättchen eingepasst, die dem Patienten zur Relationsbestimmung in den Mund eingesetzt werden.

Das Plättchen im Unterkiefer trägt einen Stützstift. Der Stützstift ist ein Sporn, der möglichst mittig am Gaumen des Patienten positioniert wird und so hoch ist, dass er eine Platte im Oberkiefer beschreiben kann.

Der Patient muss nun mehrere Kieferbewegungen ausführen und unterschiedliche Kieferpositionen einnehmen. Sämtliche Bewegungen werden dabei über den Stützstift in die Unterkieferplatte geschrieben und somit "verschlüsselt".

Schreibt der Stützstift auf ein Sensorplättchen, spricht man von der elektronischen Kieferrelationsbestimmung. Dabei werden die ermittelten Daten direkt in den Computer übernommen und können dort weiterverarbeitet, verglichen und gespeichert werden.

 

Welche Vorteile bietet die elektronische Kieferrelationsbestimmung?

Die elektronische Kieferrelationsbestimmung bietet einige Vorteile gegenüber der analogen Methode.

Wir verwenden bei Rübeling zwei Verfahren zur elektronischen Kieferrelationsbestimmung:

Das IPR-System arbeitet auf der Basis des Stützstiftregistrates. An Stelle der analogen Schreibplatte tritt eine elektronische Messplatte. Das System ist hervorragend geeignet für Patienten mit reduziertem Restzahnbestand oder Totalprothesenträger.

Das Zebris System arbeitet außerhalb des Mundes. Die Sensoren werden außen an den Frontzähnen fixiert. Das Zebris System bestimmt zuverlässig die Werte für die Gelenkbahnen, den Zusammenbiss und beinhaltet auch den Gesichtsbogen. Es setzt lediglich feste Frontzähne voraus.

Die computergestützte Verarbeitung bietet viele Möglichkeiten, die konventionelle Registrate nicht bieten.

Die Daten können in einen virtuellen Artikulator übertragen werden, der eine fließende Rekonstruktion der gesamten Bewegungsabläufe des Kiefers ermöglicht – bei Bedarf auch verlangsamt oder in vergrößerter Darstellung.

Außerdem sind die digitalen Messungen archivierbar. Sie können auch nach Jahren noch mit vorherigen Messungen verglichen werden. So können Verschiebungen im Langzeitvergleich visualisiert und analysiert werden.

Außerdem kann der Computer den Zahntechniker bei der optimalen Ausarbeitung des Zahnersatzes unterstützen. Zum Beispiel können die Daten direkt in ein dentales CAD/CAM-System eingegeben werden, um die Oberflächengestaltung der Zahnkrone perfekt auf die Krone des gegenüberliegenden Zahnes anzupassen.

Die elektronische Kieferrelationsbestimmung hilft also bei der Planung und Ausarbeitung von passgenauem Zahnersatz und ermöglicht die detaillierte Analyse und Kontrolle des Behandlungserfolges.

Für das Rübeling Dental-Labor stellt die Technologie daher eine wichtige Erweiterung der Möglichkeiten der modernen Zahnmedizin dar.

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